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Gefangenschaft
hören Sommerprojekt in der MfS-Haftanstalt Erfurt Andreasstraße Nachdem im Sommer 2005 die Kunstausstellung EINSCHLUSS über 8.000 Menschen erreicht hat und in den Medien ein umfangreiches Echo fand, soll im Sommer 2006 ein ähnlich-anderes Projekt den Plan einer endgültigen Gedenkstätte an diesem prominenten Ort unmittelbar am Erfurter Domplatz vorantreiben. Der ursprünglich geplante Abriss des Hauses ist schon undenkbar geworden. Der nächste Schritt, nun auch eine denkmalgerechte Sanierung zu finanzieren und die Gedenkstätte zu errichten, muss aber noch erstritten werden. Mit der Bildenden Kunst im Sommer 2005 wurde Gefangenschaft in unterschiedlicher Weise sichtbar gemacht. In 2006 sollen Gefangenschaft und Freiheit in Musik, Literatur und Vorträgen thematisiert werden, so dass die Besonderheit der Untersuchungshaft bei der Staatssicherheit deutlich wird. Gefangenschaft wird
reflektiert, seit Menschen Menschen einsperrten. Ungerechtfertigter Freiheitsentzug
gehörte zu den Unterdrückungsinstrumenten aller diktatorischen Herrschaften. Zu Unrecht
eingesperrt zu sein, verletzt Menschen in ihrer Würde. Das Abschneiden von den
Außenbeziehungen, die Auslieferung an die Bewacher und Folterer erschüttern die bisher
vertrauten Beziehungshorizonte, machen alte Handlungsmuster unbrauchbar und den Gefangenen
daher wehrlos. Da stets Unschuldige in die Situation der politischen Haft geraten, trifft
es den Einzelnen meist völlig unvorbereitet. Dennoch gibt es eine breite Überlieferung
der Gefangenen, die reflektiert, wie das psychische und physische Überleben oder auch
eine Auseinandersetzung mit den Wächtern möglich sind. Auch Wächter gab es
schon immer. Sie bleiben, wenn Gefangene entlassen oder hingerichtet werden, sie bleiben
wenn das System wechselt. Wie man Gefangene zermürbt und diszipliniert, darüber scheint
es eine uralte Tradition zu geben. Gefangene haben zu allen Zeiten unter Kontaktmangel,
Essensentzug, Beengtheit und eben der Einschränkung der Entscheidungsfreiheit über die
eigene Person gelitten. Aber erst im Kommunismus wurde das Wissen der Gefängniswächter
zur Wissenschaft von der operativen Psychologie. Nie zuvor sind mit solcher Perfektion und
Zielgerichtetheit auf unsichtbare Weise Persönlichkeiten zerstört worden. Im Besucherbuch 2005 schlug sich nieder, dass die Verbindung der Wissensvermittlung mit dem Erlebnis des authentischen Ortes die Lebenswirklichkeit der Gefangenen nachempfinden lässt und so eine Übertragung in aktuelles Denken und Handeln möglich wird. Beispiele aus dem Besucherbuch 2005:
Die Besichtigung war
beeindruckend und es darf nirgends auf der Welt Gefangene wegen ihrer politischen Ansicht
geben. ----- Man sollte immer daran denken, wie gut man es heutzutage
eigentlich hat. Und dass der Staat auf gewisse Art und Weise noch am Anfang steht. Jedoch
sollte man nur aus der Vergangenheit lernen und nicht in ihr leben, sonst stirbt die
Zukunft. ----- Menschen scheinen leider nur bedingt lernfähig was ihrer
Geschichte betrifft, doch je erlebbarer Geschichte, umso eher die Chance gerade jungen
Menschen durch die Geschichte Werte zu vermitteln. ------ Bei allem, was heute
kritisiert wird, sollte man nicht vergessen, dass wir heute frei atmen
können. ------ Gut dass man das hier so fühlen kann und gut, dass es heute
anders ist. Das Projekt für 2006 wird von Freies Radio Erfurt e.V. und der Thüringer Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen getragen. Es umfasst mehrere Einzelteile.
Die Ausstellung wird Werke von Komponisten und von Kompositionsstudenten der Weimarer Musikhochschule präsentieren. Bei sparsamster visueller Gestaltung sollen Höreindrücke eine neue Konzentration auf das Abgeschlossensein von Gefangenen ermöglichen. Die Werke werden in einer Vorbereitungsgruppe abgestimmt, so dass ein Gesamteindruck entsteht.
Im Jahr 2005 haben viele Menschen das Haus besucht, die früher hier als Gefangene festgehalten wurden. Ihre Biographien, ihre Lebensleistung und ihr Leiden sollen in Interviews hörbar werden. Für jede Person wird es einen Raum geben, der Ruhe und Zeit lässt, sich diesem Menschen in dem, was er von sich preisgeben mag, zu nähern.
Historische Informationen über das Gebäude, die
Untersuchungshaft der Staatssicherheit, das Justizsystem der DDR und die Lage der
Gefangenen werden in einer Tafelausstellung und in Führungen vermittelt.
In diesem Jahr sollen vor allem auch Konzerte zu
hören sein. Musik über Gefangenschaft und Freiheit, aber auch Musik, für die Menschen
eingesperrt wurden und solche, die das Lebensgefühl ehemaliger Gefangener ausdrückt,
soll zu hören sein.
Vorträge und Lesungen beschäftigen sich mit der
geschichtlichen und aktuellen Verarbeitung von Gefangenschaft. Der geistesgeschichtliche
und historische Vergleich kann die humanen Konstanten verdeutlichen. Veranstaltungsort für diese begleitenden
Veranstaltungen wird wie im letzten Jahr der Hof des Gefängnisses sein.
Vortragsveranstaltungen mit bis zu 50 Gästen finden in einem überdachten Torweg statt. Wie schon das Projekt des Jahres 2005 fördert die Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur auch im Jahr 2006.
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