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01.07.2011
Presseinformation
Stasi-U-Haft Andreasstraße Erfurt, Gedenk- und Bildungsstätte
Weiterarbeit auf neuer Grundlage: Der Weg zur Dauerausstellung
„Die Andreasstraße beziehe
ihre Authentizität aus ihrer Geschichte als Stasi-Gefängnis zu DDR-Zeiten. Die
Ausstellungskonzeption setze bei den Schicksalen der Zeitzeugen an und sehe
vor, dass Lebensgeschichten eine zentrale Rolle spielen. ‚Wir wollen die große
Geschichte über ganz persönliche Geschichten vermitteln‘ “
Mit diesen Worten teilte Minister Matschie die Verabschiedung des von Freiheit
e.V. kritisierten Konzepts für die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
durch den Stiftungsrat der Stiftung Gedenken Erinnern Lernen am 15. Juni mit.
Damit hat der
Stiftungsrat den Grundgedanken des Zeitzeugen-Historiker-Konzeptes, das
von den Vereinen Freiheit e.V. und VOS e.V. mit Unterstützung der
Landesbeauftragten für die Stasiunterlagen erstellt wurde,
für die Gedenkstätte übernommen. Denn
diese programmatischen Sätze beschreiben nicht das verabschiedete Konzept, so
dass damit offenbar die Arbeitsrichtung für die Ausführung in einem
Feinkonzept beschrieben ist.
Mit dem ausdrücklichen
Bekenntnis zu den Vereinbarungen vom März 2010 ist auch die Strategie der
Suche nach willfährigen Zeitzeugenvertretern außerhalb der Vereine beendet.
Auf dieser Grundlage bietet
der Freiheit e.V. an, sich mit den Zeitzeugen, mit den bereits vorhandenen
Ausstellungsobjekten wie Original-Unterlagen, Kunstwerken, Gefängnismobiliar
usw. in die konkrete Ausgestaltung des Feinkonzeptes und die Umsetzung der
Dauerausstellung einzubringen.
„Wir sind überzeugt, dass
nur unser entschiedener Protest diesen Weg geöffnet hat. Wir laden das
Ministerium ein, mit uns gemeinsam in enger Abstimmung am Feinkonzept zu
arbeiten.“ sagte Joachim Heise, Vorsitzender von Freiheit e.V. und
Vorsitzender des Beirats der Gedenkstätte.
Medieninformation TMBWK vom 15. Juni 2011
Stiftungsrat stimmt Rahmenkonzeption für Andreasstraße zu
Der Stiftungsrat der
Stiftung „Gedenken-Erinnern-Lernen“ hat in seiner heutigen Sitzung der von
einer Arbeitsgruppe vorgelegten Rahmenkonzeption für die
Ausstellungsgestaltung in der Erfurter Andreasstraße mit nur einer Gegenstimme
zugestimmt. „Wir wollen die Andreasstraße zu einer bedeutenden Gedenk- und
Bildungsstätte ausbauen, die an die Überwindung der SED-Diktatur in Thüringen
erinnert. Dafür sind jetzt die Weichen gestellt“, so der
Stiftungsratsvorsitzende und Minister für Bildung, Wissenschaft und Kultur,
Christoph Matschie.
Die Andreasstraße beziehe ihre Authentizität aus ihrer Geschichte als
Stasi-Gefängnis zu DDR-Zeiten. Die Ausstellungskonzeption setze bei den
Schicksalen der Zeitzeugen an und sehe vor, dass Lebensgeschichten eine
zentrale Rolle spielen. „Wir wollen die große Geschichte über ganz persönliche
Geschichten vermitteln“, so Matschie.
„Ich danke allen, die sich mit ihren Vorschlägen und Hinweisen in die
Erarbeitung der Ausstellungskonzeption eingebracht haben“, so Matschie. „Wir
bauen nach wie vor gerade auch auf die Opfer und Zeitzeugen, wenn es um das
Feinkonzept für die Andreasstraße geht. Ihre Mitwirkung ist mir ein wichtiges
Anliegen.“ Basis für die Zusammenarbeit seien die bestehenden
Kooperationsvereinbarungen.
Der Stiftungsrat beschloss, die Stelle des Leiters der Gedenk- und
Bildungsstätte Andreasstraße bundesweit auszuschreiben.
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14.06.2011
Thüringer Allgemeine, Interview: "Frau Neubert, was wird aus der
Andreasstraße?"
Der Gefängnistrakt
im Obergeschoss des ehemaligen Stasi-Gefängnisses blieb weitgehend
erhalten. Einig sind sich die konkurrierenden Konzepte darin, dass der Ort
künftig durch seine Authentizität wirken und dafür weniger museal
überformt werden soll.
Wenn am Mittwoch über
das Ausstellungskonzept zum Lern- und Gedenkort im ehemaligen
Stasi-Gefängnis entschieden wird, fehlen vermutlich die
Häftlingsvertreter. Sie sehen ihre Interessen als Opfer verletzt. Bestärkt
werden sie von der Thüringer Beauftragten für die Stasi-Unterlagen,
Hildigund Neubert. Hanno Müller sprach mit ihr.
Frau
Neubert, das neue Konzept der Arbeitsgruppe Andreasstraße zum Gedenk- und
Lernort im ehemaligen Erfurter Stasi-Gefängnis liegt vor, warum verweigern
Sie die Zustimmung?
Im Konzept ist zu wenig
Bewegung in der Richtung, wie wir uns die Gedenkstätte in der Andreasstraße
vorstellen. Die Rede ist von einer Dauerausstellung über die Polarität von
Unterdrückung und Freiheit in der DDR. Für ein ehemaliges Gefängnis scheint
das naheliegend. Allerdings wird das Ringen um diese Freiheit zu sehr auf
die Wende verengt. Schon die Gefangenen wollten Freiheit und Demokratie, sie
wollten frei wählen und dass ihre Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Das
kommt zu kurz.
Sie
haben sich im April mit der Autorin des Konzeptes Stefanie Wahl, getroffen,
die danach viele Anregungen von Ihnen und den Häftlingsverbänden
eingearbeitet hat. Warum reicht das nicht?
Der Grundansatz ihres
Konzeptes bleibt akademisch. DDR-Geschichte soll möglichst breit und
allgemein erzählt werden, die Häftlingsbiografien sind nur Nebensache. Das
kann nicht funktionieren. Eine solche Ausstellung muss Menschen ansprechen
und berühren. Das geht am besten mit lebensgeschichtlichen Erzählungen.
Genau
das soll in einem eigenen biografischen Teil der Ausstellung geschehen.
Der dafür vorgesehene
Bereich ist viel zu klein. Zehn Biografien werden in drei Räumen
zusammengedrängt. Biografien wie z. B. die der Erfurterin Gabriele Stötzer,
an der man die Erziehung zur sozialistischen Persönlichkeit, die
Haftgeschichte, die alternative Kunstszene der 80er Jahre und die Besetzung
der Stasi-Zentrale 1989 darstellen könnte, können nicht wirklich
ausgebreitet werden. Das können wir nicht akzeptieren.
Es geht
letztlich um verschiedene Ansätze - hier Ihr rein biografischer Zugang, dort
der von den in der Arbeitsgruppe vereinten Historikern bevorzugte Gedenk-
und Lernort zu historischen Zusammenhängen. Warum fällt es Ihnen so schwer,
diesen anderen Ansatz zu akzeptieren?
Wir diskutieren seit 2004
über diese Fragen. Inzwischen sind große Gebäudeteile verkauft und
anderweitig verplant. Für das, was man jetzt vorhat, reicht der verbliebene
Platz nicht aus. Also muss man sich auf wesentliche Aspekte konzentrieren.
Das sind für uns die Biografien.
Da wäre
es gut, wenn alle Beteiligten darüber sprechen würden was nicht geht, weil
sich Freiheit e. V. und VOS aus der Arbeitsgruppe zurückgezogen haben. Wäre
es nicht an der Zeit, gemeinsam nach Kompromissen zu suchen?
Es hat fünf Jahre
funktioniert. Dann aber hat man zunehmend über die Köpfe der
Häftlingsvertreter hinweg entschieden. Freiheit und VOS haben ein eigenes
Konzept erarbeitet, das wurde nicht einmal angehört. Die Verbände zogen sich
nicht einfach zurück, sie wurden vertrieben. Gespräche sind nur auf
Augenhöhe sinnvoll. Dieses Prinzip wurde verletzt.
Die
Gesellschaft für Zeitgeschichte e. V. ist geblieben und wirft Ihnen nun eine
egoistische Blockadehaltung vor.
Die GfZ repräsentiert
nicht die 6000 Häftlinge, sondern steht für die Besetzung 1989 und das
Bürgerkomitee. Aus dieser Tradition sind sie entstanden, über die
Darstellung der Revolution gibt es längst einen Konsens
Vielleicht sind die von der GfZ einfach nur vernünftiger?
Das mag so rüberkommen.
Ich habe aber erlebt, wie mit den Vertretern der politischen Häftlinge
umgesprungen wurde. Sie waren bis Januar 2011 dabei, haben viele Vorschläge
gemacht, die alle abgewimmelt wurden.
In
Buchenwald gab es Mitte der 1990er ähnliche Streitereien. Als sich Häftlinge
und Gedenkstätte zusammensetzten, entstanden international geschätzte
Museen. Sie sind Mitglied bei Freiheit e. V. und offensichtlich eine
Schlüsselfigur im aktuellen Streit. Hängt es letztlich an Ihnen?
Die Häftlingsvertreter
haben durchaus Ihren eigenen Kopf.
Auf Sie
würden sie vermutlich hören.
Ich kann nicht einem
Konzept zustimmen, das falsch ist.
Geht es
auch darum, wer künftig in der Gedenkstätte das Sagen haben soll?
Wir haben die
Andreasstraße fünf Jahre betreut. Mitarbeiter meiner Behörde haben dort bei
10 Grad Minus Schülergruppen geführt. Seit Geld in Aussicht steht, gibt es
Streit. Da soll es plötzlich die Stiftung Ettersberg machen. Die hat noch
nie auch nur den kleinsten Beitrag zur Gedenkstätte geleistet.
Sie
wollen sich die Andreasstraße nicht wegnehmen lassen?
Darum geht es nicht. Es
geht um eine Trägerschaft, in der echte Partnerschaft und Mitsprache der
Zeitzeugen gewährleistet ist.
Liegen
die richtig, die sagen,
Hildigund Neubert mauert bei der Andreasstraße, weil sie eigene
Interessen hat, vielleicht sogar dort Chefin werden will?
Der Chefposten ist
hoffentlich längst besetzt, wenn ich 2013 im jetzigen Amt aufhören muss. Wir
brauchen sofort einen Gedenkstättenleiter.
Das ist
aber jetzt kein wirkliches Nein auf meine Frage nach Ihren Ambitionen?
Ich habe längst andere
Namen im Kopf. Ich halte einfach die Stiftung Ettersberg für ungeeignet. Sie
hat sich noch nie mit Gefängnisfragen beschäftigt.
Mit der
Diktaturgeschichte schon. Zudem hat sie durch ihren Schülerwettbewerb viel
Erfahrung bei der Geschichtsarbeit mit Jugendlichen.
Im Schülerwettbewerb
werden lediglich die fertigen Arbeiten anderer bewertet. Es gibt keine
eigenen Beiträge der Stiftung zur historischen Stasi-Haft-Forschung. Ihr
Verhältnis zu Zeitzeugen ist miserabel.
Vermutlich wird das Konzept auch ohne Freiheit e. V. und VOS verabschiedet,
was bedauerlich wäre. Gesprächsangebote vom Kultusministerium gibt es. Was
muss geschehen, damit Sie einlenken?
Ich würde gern aus den
Konzepten von Arbeitsgruppe und Freiheit e. V. eine Synthese machen.
Kulturstaatssekretär
Thomas Deufel müsste sich darauf einlassen. Außerdem erwarte ich von
ihm, dass er auf die Häftlingsvertreter zugeht, die sich durch seine
Vorgehensweise sehr verletzt fühlen.
Soll er
zu ihnen hinfahren?
Ja, und ein paar konkrete
Vorschläge machen, denen die Häftlinge zustimmen können. Er kann auch gern
mich fragen, ich habe ein paar gute Ideen.
Bei sich
selbst sehen Sie keinen Kompromissbedarf?
Die Häftlinge und ich
haben viele inhaltliche Angebote und schon viele Kompromisse gemacht, sonst
wäre die Bauplanung nicht möglich gewesen.
Sie
werden Joachim Heise von Freiheit e. V. und Wolf-Dieter Meyer von der VOS
also nicht empfehlen, in die Arbeitsgruppe zurückzukehren?
Noch nicht. Ich sehe meine
Rolle darin, so viel Bewegung wie möglich hineinzubringen für ein wirklich
gutes Konzept. Ob die Herren dann auf mich hören, steht sowieso auf einem
anderen Blatt.
Link zur Thüringer Allgemeinen
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9.2.2011
Neubert
attackiert Landesregierung wegen geplanter Stasi-Gedenkstätte
Erfurt (dapd) -
Thüringens
Stasibeauftragte Hildigund Neubert hat in der Debatte über eine
Stasi-Gedenkstätte in Erfurt die Landesregierung scharf attackiert. Das
Kultusministerium sei seit Beginn konkreter Planungen für die Gedenkstätte
damit beschäftigt, "den Einfluss der Zeitzeugen zu minimieren", sagte sie in
einem Gespräch der Nachrichtenagentur dapd. Nach der Besetzung des
ehemaligen Stasi-Gefängnisses habe das Ministerium eine Kommission
eingesetzt, "die unter dem Vorwand wissenschaftlicher Fachkompetenz so
besetzt wurde, dass die Häftlingsverbände extrem in der Minderheit sind".
Trotz anderweitiger
Versprechen hätten sich die Opferverbände in keinem Punkt mit ihren
inhaltlichen und selbst mit qualifizierten fachlichen Vorschlägen
durchsetzen können. "Gegebene Zusagen werden nicht eingehalten, Papiere
zurückgehalten, Protokolle verfälscht" beklagte Neubert. Selbst ihr
Engagement habe dies nicht ändern können. So sei den Verbänden nur der
Ausstieg geblieben, für den sie "nur volles Verständnis haben kann".
Weiter sagte Neubert, sie
könne für ihre Behörde "nicht verantworten, für ein Konzept vereinnahmt zu
werden, das so mit den Opfern von Willkür und Unrecht umgeht und das die DDR
verzerrt nach dem Motto: 'Wir waren doch alle Opfer und eingesperrt hinter
der Mauer'". Die Gedenkstätte drohe "peinlich provinziell" zu werden.
Vergangene Woche hatte
Kulturstaatssekretär Thomas Deufel den Opferverband Freiheit e.V. im Streit
über die künftige Stasi-Gedenkstätte in der Erfurter Andreasstraße zu mehr
Zugeständnissen aufgefordert. "Irgendwann müssen Kompromisse gemacht
werden", hatte er dapd gesagt. Der "sorgfältige Arbeitsprozess" dürfe nicht
auf den letzten Metern ins Straucheln gebracht werden. Er forderte den
Verein auf, sich weiterhin in der Arbeitsgruppe zu engagieren, anstatt
abseits davon eigene Vorschläge zu machen.
Jürgen Wutschke
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5.2.2011
TLZ
Diskussionen um Erfurter Stasi-Knast
Konzept zur künftigen
Gedenk- und Bildungsstätte ist in der Diskussion.
Der Streit um das Konzept
für eine Gedenk- und Bildungsstätte in der Andreasstraße geht in eine neue
Runde.
Altstadt. Die beiden
Opferverbände Freiheit e.V. und Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS)
sowie Hildigund Neubert
, Thüringer Beauftragte für die Stasiunterlagen, üben scharfe Kritik an dem,
was ihnen aus dem Konzeptentwurf als Zwischenstand bekannt ist. Ihn hat
Stefanie Wahl als Inhaberin der dazu eingerichteten Honorarprojektstelle
erstellt, die nach einstimmigem Beschluss von der zehnköpfigen Projektgruppe
ausgeschrieben wurde. Doch jetzt ziehen die einstigen Haftopfer die Bremse:
Als DDR-Museum auf kleinstem Raum, als Darstellungsort von
Geschichtsbuchinhalten kritisieren sie den Entwurf. "Diese Entwicklung
können wir nicht mehr mittragen", sagt Joachim Heise vom Freiheit e.V., der
den Rückzug beider Vereine aus der Projektgruppe ankündigte. Er fordert
stattdessen die Umsetzung eines parallel erstellten eigenen Konzepts, das
die Haft der Stasiopfer und das Gedenken an diese in den Mittelpunkt
gestellt wissen will. "Umfassend, vielschichtig und durchdacht" sei der
Gegenentwurf. Ideen daraus seien von der Projektgruppe abgekanzelt worden,
die Opfervereine stets überstimmt worden, empört sich Heise. "Das, was nun
verbrochen wird, können wir nicht mittragen", sagt Heise. "Wir verweigern
uns nicht aber wir wollen gehört werden", fordert er. Dabei wüssten
insbesondere die Opferverbände aus ihrer bisherigen Arbeit in der
Andreasstraße genau, was die Besucher von einem künftigen Gedenkort erwarten
würden, pflichtet ihm Wolf-Dieter Meyer vom VOS bei, der selbst in der
Andreasstraße in Stasi-Haft saß.
"Es geht um das
bestmögliche Konzept", stellt
Hildigund Neubert
klar und richtet den Vorwurf ans Kultusministerium, mit mangelnden und
verfälschten Informationen zu hantieren. Die Opfervereine hätten viel
Vertrauen investiert und seien stets enttäuscht worden, sagt sie. Es könne
kein Museum im Stasi-Gefängnis geben gegen die ehemaligen Häftlinge, fordert
sie "einen anderen Umgang" mit den Opfern.
Frank Karmeyer / 05.02.11
/ TLZ
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4.2.2011
STZ
Stasi-Opfer rufen
Lieberknecht zur Hilfe
Die
Opfer des ehemaligen Erfurter Stasi-Gefängnisses haben Ministerpräsidentin
Christine Lieberknecht (CDU) aufgefordert, die geplante Gedenkstätte zur
Chefsache zu machen.
Erfurt (dpa/th) «Wenn sich
die Einstellung des Kultusministeriums nicht grundlegend ändert, können wir
nicht mehr mitarbeiten», sagte der Vorsitzende des Vereins «Freiheit»,
Joachim Heise, am Freitag. Er habe an der Sitzung des gemeinsamen Gremiums
Ende Januar bereits nicht mehr teilgenommen.
Gemeinsam mit der
Thüringer Stasi-Beauftragten Hildigund Neubert werfen die Opfer dem
Ministerium vor, Protokolle aus gemeinsamen Sitzungen manipuliert und
abweichende Meinungen der Opfer nicht festgehalten zu haben. Außerdem würden
die Häftlingsverbände in dem Planungsgremium einfach überstimmt und immer
wieder Informationen zurückgehalten, sagte Neubert.
Kulturstaatssekretär
Thomas Deufel wies die Vorwürfe zurück. In der Arbeitsgruppe seien alle
Meinungen gehört und anschließend demokratisch abgestimmt worden. «Jetzt
kann nicht einfach eine Gruppe sagen: Wenn das, was ich will, nicht gemacht
wird, ist es undemokratisch und falsch», sagte Deufel der Nachrichtenagentur
dpa. Niemand wolle böswillig anderen schaden. «Wir müssen wieder
respektvoller miteinander umgehen. Ich stehe für Gespräche bereit.»
Regierungssprecher Peter
Zimmermann sagte der dpa, die Ministerpräsidentin werde nicht in den
Konflikt eingreifen. Lieberknecht respektiere die intensive Arbeit der
Betroffenen, sei aber gegen «verordnetes Erinnern». Gedenkstätten müssten
aus dem bürgerschaftlichen Engagement kommen und mit demokratischen Mitteln
eine Einigung erreichen.
Die Vereine kritisieren
das Konzept für die Gedenkstätte. Demnach sollen fünf Themenbereiche
behandelt werden: «Es sieht von außen aus wie ein Gefängnis - wird aber
umgestaltet zu einem Museum für DDR-Geschichte», sagte Wolf-Dieter Meyer von
der Vereinigung der Opfer des Stalinismus in Thüringen. Dafür sei allerdings
viel zu wenig Platz: Das zeithistorische Museum in Leipzig zeige die
DDR-Geschichte auf 5000 Quadratmetern. Die Gedenkstätte in der Erufrter
Andreasstraße habe gerade einmal 250 Quadratmeter Platz.
Es sei unverständlich,
warum im Rahmen der Gedenkstätte Themen wie die «Erziehung zur
sozialistischen Persönlichkeit» bei den Jungen Pionieren behandelt werden
müssten, kritisierte Neubert. Deufel erwiderte, Ministerium und Opfer hätten
sich vor einem Jahr darauf geeinigt, welche Themen behandelt werden sollen.
In einer Etage werde der erhaltene Zellentrakt gezeigt, in zwei weiteren
Stockwerken sei genug Platz, um den Kontext der DDR-Diktatur darzustellen.
Neben einer Konzentration
des Inhalts auf das Stasi-Gefängnis fordern die Opfer eine lebendigere
Aufarbeitung. «Wir müssen Menschen mit allen Sinnen ansprechen - nicht nur
mit dem Intellekt», sagte Neubert. Die geplante Ausstellung gehe wie eine
trockenes Vorlesung chronologisch und systematisch an das Thema. Das viel
lebendigere Konzept der Opferverbände sei dagegen nicht berücksichtigt
worden.
Der Verein «Freiheit»
hatte das Museum mehrere Jahre ehrenamtlich betrieben. Zum Jahreswechsel
2009/2010 hatten ehemalige Häftlinge das einzige erhaltene Stasi-Gefängnis
in Thüringen besetzt und so eine Mitsprache eingefordert. Von 1952 bis 1989
soll die Staatssicherheit in dem Gefängnis etwa 5000 Menschen psychisch und
physisch gefoltert haben. Bis September soll eine Gedenk- und Bildungsstätte
entstehen. Das endgültige Konzept soll Ende Februar vorgestellt werden.
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4.2.2011
FREIES WORT
Opfer bitten Lieberknecht
um Hilfe
Von Georg Grünewald
Eklat um
die geplante Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-Haftanstalt in Erfurt: Die
Opferverbände haben ihre Mitarbeit aufgekündigt. Kulturstaatssekretär Deufel
fordert Kompromissbereitschaft.
Erfurt - Wolf-Dieter Meyer
ist aufgebracht. Den Landesvorsitzenden der Vereinigung der Opfer des
Stalinismus (VOS) ärgert es, wie das Kultusministerium mit den
Opferverbänden umgeht. Der Grund: In der Arbeitsgruppe, die ein Konzept für
die geplante Gedenkstätte in der ehemaligen Stasi-Haftanstalt in der
Erfurter Andreasstraße vorlegen soll, fühlen sich die Opferverbände nicht
ernst genommen. "Jeder Versuch, unsere Ziele einzubringen, ist
abgeschmettert worden", klagt Meyer. Ministerpräsidentin Christine
Lieberknecht (CDU) müsse die Andreasstraße zur Chefsache machen, fordern
deshalb die VOS und der Zeitzeugenverein Freiheit e.V., der in den
vergangenen Jahren bereits Bildungsangebote in der Andreasstraße organisiert
hat.
Dabei hatten Freiheit e.V.
und VOS ein eigenes Konzept vorgelegt. Nur: Die Mehrheit in der
Arbeitsgruppe orientiert sich aus Sicht der Opferverbände ausschließlich an
dem Entwurf ihres eigenen Konzepts, mit deren Erstellung sie eine externe
Firma beauftragt hat. Das entspreche zwar den Geschichtsvorstellungen der
Opferverbände und sei chronologisch und systematisch aufgebaut, räumt Meyer
ein, aber es sei nicht unterzubringen in den 250 Quadratmetern der
Andreasstraße. In Leipzig, so erinnert er, habe man dafür 5000 Quadratmeter.
Die Angst der
Opferverbände: Der Bezug zur Stasi-Haftanstalt könnte verloren gehen. Die
Hafträume könnten nicht frei von Informationen bleiben und damit in ihrer
Wirkung beeinträchtigt werden. Dann werde es "ein schönes DDR-Museum, aber
keine Opfer-Gedenkstätte", befürchtet Freiheit-Vorsitzender Joachim Heise.
Man müsse sich inhaltlich konzentrieren, fordert deshalb die
Stasi-Beauftragte Hildigund Neubert. Jetzt haben die Opferverbände die
Reißleine gezogen und ihre Mitarbeit in der Arbeitsgruppe aufgekündigt.
"Sonst heißt es hinterher, Ihr habt doch mit am Tisch gesessen", so Heise.
Kulturstaatssekretär Thomas Deufel verweist dagegen auf den Vertrag, den das
Ministerium vor einem Jahr mit allen Beteiligten geschlossen hat. Und ärgert
sich seinerseits über die Opferverbände. Denen fehle die Bereitschaft zum
gemeinsamen Arbeiten und zum Kompromiss. Er wirft ihnen Vertragsbruch vor,
weil sie ein eigenes Konzept vorgelegt haben. Laut Vertrag sollte es nur ein
gemeinsames geben.
Aber auch Heise verweist
auf den Vertrag. Speziell auf die Passage, die eine Stasiüberprüfung für
alle vorsieht, die an der Konzeption mitarbeiten. Doch aus dem
Kultusministerium habe man jetzt die Auskunft bekommen, die Rechtslage gebe
das nicht her. Es sehe keinen Handlungsbedarf. Da ist auch Heise ganz
aufgebracht. "Eine Ungeheuerlichkeit", empört er sich und fordert: "Dann
muss es freiwillig geschehen. Bei so einem sensiblen Thema."
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4.2.2011
MDR.
Ex-Stasi-Gefängnis Erfurt
Lieberknecht
will Gedenkstätten-Streit nicht schlichten
Thüringens Ministerpräsidentin
Christine Lieberknecht will sich nicht in den Streit um die Stasi-Gedenkstätte
in der Erfurter Andreasstraße einmischen. Regierungssprecher Peter Zimmermann
sagte dem MDR, Lieberknecht habe großen Respekt vor den Opfern und ihrem
Schicksal. Sie halte die künftige Gedenkstätte im ehemaligen Erfurter
Stasi-Gefängnis aber für eine Angelegenheit, die aus der Bürgerschaft komme. Sie
sei gegen ein verordnetes Erinnern, sagte Zimmermann. Die Thüringer
Opferverbände hatten Lieberknecht am Freitag aufgefordert, den Streit um die
Zukunft der Gedenkstätte zur Chefsache zu machen.
Was aus dem Ex-Stasi-Knast
werden soll - daraus war ein Streit entbrannt.
Opfer-Verbände sind aus
Verhandlungen ausgestiegen
Joachim Heise, der Vorsitzende
des Opfervereins "Freiheit", drohte: "Wenn sich die Einstellung des
Kultusministeriums nicht grundlegend ändert, können wir nicht mehr mitarbeiten."
Er habe an der Sitzung des gemeinsamen Gremiums Ende Januar bereits nicht mehr
teilgenommen. Die Opfer-Verbände sehen ihre Interessen bei der Konzept-Findung
nicht ausreichend berücksichtigt. Ihrer Meinung nach würden zudem zu viele
Themen auf den 250 Quadratmetern Ausstellungsfläche angerissen. Auch Thüringens
Stasiunterlagen-Beauftragte Hildigund Neubert hatte das Auswahlverfahren
kritisiert. Sie sagte dem MDR, die derzeitige Arbeitsweise führe zu keinem guten
Ergebnis.
Offizielles Arbeitspapier
wurde vorgelegt
Für das Konzept der
zukünftigen Gedenkstätte im ehemaligen Stasi-Gefängnis in Erfurt war eine
Arbeitsgruppe gebildet worden, in der ursprünglich auch die Opferverbände
vertreten waren. Ihr Plan sieht vor, neben einer Haft-Gedenkstätte auch noch
Themenbereiche zur Thüringer Geschichte von Opposition und Widerstand in der DDR
einzurichten. Um diese Vereinbarung war jedoch ein Streit entbrannt, da die
Erfurter Opferverbände parallel zu den offiziellen Verhandlungen ein eigenes
Konzept vorgelegt hatten. Kulturstaatssekretär Thomas Deufel zeigte sich auf
Nachfrage des MDR überrascht. Er mahnte die Verbände zu mehr
Kompromissbereitschaft an.
Im ehemaligen Stasi-Gefängnis soll ein Zellentrakt authentisch wiederhergestellt
und eine Dauerausstellung eingerichtet werden. Das Land stellte Investitionen in
Höhe von 5,6 Millionen Euro in Aussicht.
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4.2.2011
OTZ / TA
Erneut Streit um Erfurter Stasi-Gedenkstätte entbrannt
Im ehemaligen Gefängnis der Staatssicherheit (Stasi) in der Erfurter
Andreasstraße soll eine Gedenkstätte entstehen.
Um die geplante Gedenkstätte
im einstigen Stasi-Gefängnis in der Erfurter Andreasstraße gibt es erneut
Streit. Opferverbände und die Thüringer Stasi-Unterlagenbeauftragte Hildigund
Neubert sehen die Interessen der einstigen Häftlinge zu wenig berücksichtigt.
Erfurt. Es geht um Fakten, um historische Zusammenhänge und auch persönliche
Erinnerungen. Gerade an letzteren entzünden sich jedoch heftige Debatten.
Die Thüringer Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen Hildigund Neubert hat
gestern kritisiert, dass es ein gemeinsames Ausstellungskonzept von Thüringer
Kultusministerium, Historikern und Opferverbänden nach wie vor nicht gäbe.
Das Zwischenergebnis eines Ausstellungskonzeptes, das eine Berliner Historikerin
vorgelegt habe, sei zu abstrakt, zu allgemein und damit oberflächlich, sagte sie
gegenüber unserer Zeitung. Vor allem sei darin das Anliegen der ehemaligen
politischen Häftlinge nicht transportiert worden. Damit sei weiter offen,
welchen Charakter die Gedenkstätte denn eigentlich haben soll.
"Unpassend" nennt jenen Zwischenstand auch Wolf-Dieter Meyer, der
Landesvorsitzende der Vereinigung der Opfer des Stalinismus. Vielmehr müsse man
einen "ehrlichen Weg zur Gestaltung" suchen, so Meyer, "der der nachfolgenden
Generation ein wahres Gesicht der Diktatur, entsprechend dem Stand der
Aufarbeitung", zeige. Es müsse sichtbar werden, wie Menschen durch die Stasi aus
einem normalen DDR-Alltag gerissen und Repressionen ausgesetzt wurden, sagt die
Thüringer Landesbeauftragte für die Stasi-Unterlagen Hildigund Neubert . Dies
sei bisher nicht geleistet. Die ehemaligen politischen Häftlinge hätten bisher
keine faire Chance gehabt, etwas Konstruktives einzubringen. Das
Kultusministerium wehre sie nur ab.
Das Kultusministerium rief indes alle Beteiligten zu Kompromissbereitschaft auf.
Staatssekretär Thomas Deufel (SPD) sagte gestern dem MDR, er könne "nicht
akzeptieren, wenn jemand hinter den vereinbarten Kooperationsvertrag zurückgehen
wolle". Es könne kein Konzept geben, "in dem es nur um Haft geht".
Noch Anfang Dezember hatte es geheißen, das bis Ende Februar ein gemeinsames
Ausstellungskonzept vorliegen soll. Dies war erklärtes Ziel einer Arbeitsgruppe,
bestehend aus Vertretern des Landes, Wissenschaftlern, Mitgliedern der Opfer-
und Zeitzeugenvereine und der Landesbeauftragten. Die Bauarbeiten in der
Andreasstraße haben bereits begonnen. Von 1945 bis 1989 wurden dort
schätzungsweise 5000 politische Gefangene festgehalten.
Angelika Reiser-Fischer / 04.02.11 / TA
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4.2.2011
MDR
Stasi-Gedenkstätte Erfurt
Opferverbände fühlen sich übergangen
Zwei der drei Erfurter
Stasiopfer-Verbände sehen sich bei der Entwicklung eines Konzeptes für die
Gedenkstätte Andreasstraße übergangen. Sie kritisieren, dass ihr Konzept
nicht beachtet und stattdessen das einer Expertengruppe bevorzugt werde.
Joachim Heise vom Verband Freiheit e.V. sagte MDR 1 RADIO THÜRINGEN, die
Opferverbände könnten dies aber nicht mittragen. Die Interessen der
ehemaligen politischen Häftlinge würden darin zu wenig berücksichtigt.
Hildigund Neubert sieht
die Zeitzeugen nicht ausreichend integriert.
Neubert: Bisherige
Arbeitsweise führt zu keinem Ergebnis
Auch Thüringens
Stasiunterlagen-Beauftragte Hildigund Neubert kritisierte das
Auswahlverfahren. Sie sagte dem MDR, die derzeitige Arbeitsweise führe zu
keinem guten Ergebnis. Ihre Behörde vermisse den Respekt vor den Zeitzeugen.
Es müsse eine fachliche Diskussion um die Zukunft der Gedenkstätte beginnen.
Es gehe um das bestmögliche Konzept für das Ex-Stasi-Gefängnis in der
Erfurter Andreasstraße, sagte Neubert. Dafür müsse sich auch das
Bildungsministerium in der Diskussion mehr bewegen und seine Vorstellungen
auf den Tisch legen.
Den Verhandlungen zufolge
soll ein Zellentrakt im Ex-Gefängnis wieder authentisch hergestellt werden.
Deufel: Verbände müssen
kompromissbereiter sein
Kulturstaatssekretär
Thomas Deufel zeigte sich im Gespräch mit dem MDR THÜRINGEN überrascht: Er
könne die Vorwürfe nicht verstehen. Schließlich habe sich die Arbeitsgruppe,
in der auch die Opferverbände beteiligt sind, auf einen Kooperationsvertrag
geeinigt. Darin seien auch inhaltliche Dinge ausgehandelt worden. Das
Konzept des "Freiheit e.V." ist nach Deufels Auffassung abseits dieser
gemeinsamen Verhandlung aufgetaucht. Er könne es nicht akzeptieren, wenn
jetzt jemand inhaltlich hinter den vereinbarten Kooperationsvertrag
zurückgehen wolle. "Wenn jetzt jemand kommt und ein Konzept vorlegt, wo es
nur um Haft geht, dann geht das hinter unseren Vertrag zurück." Laut Deufel
sieht das bisherige Verhandlungsergebnis neben der Haft-Gedenkstätte auch
die Aufarbeitung der Geschichte von Opposition und Widerstand in der
DDR-Zeit in Thüringen vor. Damit seien die Opferverbände seiner Ansicht nach
ausreichend in den Kompromiss integriert.
Nach Informationen des Kultusministeriums soll noch im Februar über das
Konzept entschieden werden. Im ehemaligen Stasi-Gefängnis soll ein
Zellentrakt authentisch wiederhergestellt und eine Dauerausstellung
eingerichtet werden. Das Land stellte Investitionen in Höhe von 5,6
Millionen Euro in Aussicht.
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03.02.2011:
Leipziger Volkszeitung
Opferverband kritisiert
Pläne für Stasi-Gedenkstätte in Erfurt
dpa
In Erfurt gibt es
Streit um die geplante Stasi-Gedenkstätte. Erfurt. Das Konzept für die
Dauerausstellung der geplanten Stasi-Gedenkstätte in Erfurt stößt auf
Kritik der Häftlingsverbände. „Wir befürchten, dass sie ein schönes
DDR-Museum wird, aber keine Opfer-Gedenkstätte", sagte Joachim Heise,
Vorsitzender des Vereins „Freiheit", am Donnerstag in Erfurt. Das vom
Kultusministerium vorgelegte Konzept entspräche nicht den Vorstellungen
der ehemaligen Häftlinge.
Ihre Sorge sei, dass die Stasi-Machenschaften und die politische Justiz
gegen Andersdenkende nur eine untergeordnete Rolle spielen werden. Die
Opferverbände stellten ihre weitere Mitwirkung infrage: „Wenn wir nur
als Alibi-Schild benutzt werden, müssen wir uns zurückziehen", sagte
Heise. Das Kultusministerium hat im Streit um die Stasi-Gedenkstätte
unterdessen Kompromissbereitschaft signalisiert.
Der Förderverein, unterstützt von der Vereinigung der Opfer des
Stalinismus Thüringen und der Stasi-Landesbeauftragten Hildigund
Neubert, wirft dem Kultusministerium vor, eine Vereinbarung zur
Mitwirkung der Opfer vom März 2010 zu missachten. „Wir wollen nicht
erneut entmündigt werden!", hieß es in einer Mitteilung. Zum
Jahreswechsel 2009/2010 hatten ehemalige Häftlinge das
Stasi-Untersuchungsgefängnis besetzt und so eine Mitsprache
eingefordert. In dem Gremium zur Ausarbeitung der
Gedenkstätten-Konzeption seien die ehemaligen Häftlinge jedoch in der
Minderheit und würden überstimmt.
Kultusstaatssekretär Thomas Deufel sagte der Nachrichtenagentur dpa, das
Konzept, an dem Betroffene, Historiker und Ausstellungsmacher gemeinsam
arbeiteten, sei noch nicht fertig. Ende Februar sei die nächste Sitzung.
Er wisse, dass es bei einzelnen Bedenken gebe. Es bringe jedoch nichts,
wenn sich jetzt eine Seite ausklinken wolle, sagte Deufel. „Es ist
völlig klar, das die Stasi-Haft das vorherrschende Thema sein wird." Ein
Drittel der Gedenkstätte werde ein originaler Zellentrakt ausmachen. In
der Ausstellung sollten aber auch Verhöre, politische Prozesse und die
Geschichte von Opfern thematisiert werden. Darauf hätten sich alle
verständigt und dazu müsse jetzt jeder stehen.
Von 1952 bis 1989 soll die DDR-Staatssicherheit in dem Erfurter
Gefängnis rund 5000 Menschen psychisch und physisch gefoltert haben. Bis
September soll dort eine Gedenk- und Bildungsstätte entstehen. Es ist
das einzig erhaltene Stasi-Gefängnis in Thüringen.
© LVZ-Online,
03.02.2011, 18:15 Uhr
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09.Juni 2010:
Öffentliche Mitteilung des
Beirates der künftigen Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße
Am 4. Juni 2010 hat die
konstituierende Sitzung des Beirates stattgefunden. Daran wirken der
Freiheit e.V., die Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V. und der Verband
der Opfer des Stalinismus (Landesgruppe Thüringen) mit.
Zum ersten Vorsitzenden
wurde Joachim Heise ( Freiheit e.V.) einstimmig gewählt, Stellvertreter
sind Wolf-Dieter Meyer ( Vereinigung der Opfer des Stalinismus e.V. ) und
Matthias Sengewald ( Gesellschaft für Zeitgeschichte e.V. ).
Zielstellung des
Beirates ist die Unterstützung und Begleitung der künftigen Gedenk- und
Bildungsstätte Andreasstraße.
Laut einer Vereinbarung
des Thüringer Kultusministeriums mit allen drei Vereinen wird der Beirat
intensiv über die Gedenkstättenarbeit informiert und wird deren künftige
Leitung umfassend beraten und unterstützen.
Besondere Zielstellung
ist auch das Einbringen von Zeitzeugenerfahrung in die tägliche politische
Bildungsarbeit.
Seine derzeitige
Hauptaufgabe sieht der Beirat in der Mitwirkung bei der momentan
anstehenden, konzeptionellen und inhaltlichen Ausgestaltung mit der
Zielstellung, dass der Öffentlichkeit im Herbst 2011 eine würdige und
informative Gedenkstätte seitens der Verantwortlichen übergeben werden
kann.
Bei der ersten Sitzung
wurde eine Geschäftsordnung festgelegt, die u.a. einen rotierenden Wechsel
des Vorsitzes durch die drei Vereine vorsieht.
Wer Kontakt mit dem
Beirat aufnehmen möchte, kann sich per e-mail wenden an:
beirat(at)gesellschaft-zeitgeschichte.de.
Joachim Heise,
Wolf-Dieter Meyer, Matthias Sengewald
9. Juni 2010
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09.Juni 2010:
Medieninformation
Während der am 29.
Mai 2010 in der Begegnungsstätte „Kleine Synagoge“ stattfindenden
Mitgliederversammlung des Freiheit e.V. wählten die Mitglieder einen neuen
Vorstand. Für nachfolgend aufgeführte Funktionen wählten die
Mitglieder neue Personen in den Vorstand bzw. bestätigten bisherige
Funktionsträger:
1.
Vorsitzender Joachim Heise (bestätigt),
2.
Vorsitzender Roland J. Lange (neu gewählt),
3.
Vorsitzender Rainer Schneider (bisher Beisitzer),
Schatzmeisterin Dr. Andrea Herz (neu gewählt),
Schriftführerin Heike Schrade (bisher Beisitzerin),
Beisitzer/in Dorit Bause (neu gewählt),
Carsten Heise (neu
gewählt),
Jürgen Hoffmann (neu
gewählt) und
Detlef Zimmer (bestätigt).
Alle Mitglieder des
neuen Vorstands danken für das entgegengebrachte Vertrauen und versichern,
die bisherige Arbeit, verbessert durch Hinweise und kritische Anmerkungen
der Mitglieder, im Sinne der Vereinsziele fortzuführen.
Erfurt, den 09.06.2010
Joachim Heise,
Vorsitzender
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18. März 2010:
Pressemitteilung
Gemeinsame Erklärung von „Freiheit
e.V.“ und der „Gesellschaft für Zeitgeschichte“ zur künftigen Gedenk- und
Bildungsstätte Andreasstraße in Erfurt
„Freiheit e.V.“ und die „Gesellschaft
für Zeitgeschichte“ haben sich heute am 18. 3. 2010 getroffen, um über
anstehende Fragen des gemeinsamen Interesses an der Einrichtung einer
Bildungs- und Gedenkstätte Andreasstraße Erfurt in der ehemaligen
MfS-U-Haft in Erfurt zu beraten.
„Freiheit e.V.“ und die „Gesellschaft
für Zeitgeschichte“ stellen fest, dass ungeachtet bestehender Unterschiede
und entgegen anderslautender Behauptungen schon seit Beginn des Einsatzes
für die Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt Einigkeit in
folgenden Vorstellungen besteht:
1. In der Bildungs- und Gedenkstätte
Andreasstraße Erfurt sollen Zeitzeugen unter Wahrung ihrer jeweils
individuellen Erfahrungen in der konzeptionellen Erarbeitung, den
Ausstellungen, der Bildungsarbeit und im Dialog mit wissenschaftlicher
Arbeit beteiligt sein. Zeitzeugen sind Opfer und Akteure der Überwindung
der SED-Diktatur ebenso wie die Menschen. die die Folgen der
SED-Diktatur im Alltag ertragen mussten; Widerstand und Opposition und
Haft müssen sich wiederspiegeln.
2. Der als Gedenk- und
Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt vorgesehene Westflügel soll folgende
Gestaltung erhalten:
-
Die zu erheblichen Teilen original
erhalten gebliebene Haftetage im 2. OG des Westflügels erfordert deren
Erhaltung und eine sensible und zurückhaltende Gestaltung zum Ort des
Gedenkens an die Opfer der Diktatur, ergänzt mit dem Hinweis auf die
Nutzung als Lager zur Erhaltung von MfS-Akten.
-
Im 1. Obergeschoss soll durch eine
Dauerausstellung zur Diktatur in der SBZ und der DDR die Aspekte von
Haft, der Auseinandersetzung mit der Diktatur, deren Überwindung in
der friedlichen Revolution und den Folgerungen für freiheitliche
Demokratie und ziviles Engagement informiert und zur weiteren
Auseinandersetzung angeregt werden.
Dabei zwingt die Fülle der Themen zu einer strengen Auswahl in der
Dauerausstellung, ohne aber die Breite der Thematik zu
vernachlässigen.
-
Zugleich erfordert diese Fülle die
laufende Erarbeitung bzw. Einbeziehung von Sonder- und
Wanderausstellungen in den anderen Bereichen sowie Möglichkeiten, sich
weitere Materialien – im Bildungsbereich - zu erschließen.
3. Für die Bildungsarbeit sind
geeignete Räume und Möglichkeiten der Arbeit mit Gruppen, insbesondere
auch Jugendgruppen, für Einzelpersonen zur individuellen Recherche und
intensiven Befassung, sowie für Veranstaltungen in kleinerem Format zu
schaffen.
4. Die wissenschaftliche
Zusammenarbeit mit Historikern, Museologen und Pädagogen ist
Voraussetzung für eine erfolgreiche Arbeit, die auch den
Generationswechsel im Blick hat. Die pädagogische Arbeit muss
professionellen Ansprüchen genügen, um den unterschiedlichen Zielgruppen
gerecht werden zu können und nachhaltig Einsichten und Erkenntnisse
vermitteln zu können.
5. Eine Bereitstellung von Arbeits-
und Beratungsräumen für die beteiligten Initiativen und Vereine muss so
erfolgen, dass die unmittelbare Tätigkeit der Bildungs- und
Gedenkstätte nicht beeinträchtigt wird.
6. Ziel der Arbeit in der Gedenk-
und Bildungsstätte Andreasstraße Erfurt mit der Ausrichtung auf
„Gedenken, Erinnern und Lernen“ und mit Blick auf heute ist es, die
freiheitliche Demokratie zu stärken und Zivilcourage zu fördern.
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14. Januar 2010:
Presseerklärung
Nach einem ersten Gespräch am 05.01.2010
zwischen dem Staatssekretär im Bildungsministerium Herrn Prof. Dr. med.
Thomas Deufel und Vertretern des Freiheit e.V. fand heute, am 14.01.2010,
ein weiteres Gespräch im Bildungsministerium statt. Staatssekretär Deufel
sah sich auch neun Tage nach seinem Versprechen zügiger Verhandlungen
außer Stande, die Vorstellungen des Ministeriums vor der Besprechung
schriftlich vorzulegen. Das soll bis Freitag, den 15.01.2010 um 14 Uhr
geschehen.
Der Staatssekretär hat zugestanden, dass die
Gedenkstätte einen eigenen Leiter erhalten soll, was bisher abgelehnt
wurde.
Das erste Gespräch zur Kompromissfindung kann
nun erst am Montag, den 18.01.2010 um 17 Uhr stattfinden.
„In den Gesprächen muss es darum gehen, eine
Struktur festzulegen, in der der Verein tatsächliche
Entscheidungsbefugnisse erhält.“ sagte der Vorsitzende des Freiheit e.V.
Die Besetzung bleibt bestehen!!!
Joachim Heise, Freiheit e.V.
Erfurt, den 14.01.2010
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13. Januar 2010:
Pressemitteilung
Der Landesverband Thüringen der Vereinigung
der Opfer des Stalinismus e.V. (VOS) und der Freiheit e.V. Förderverein
Gedenkstätte Andreasstraße erklären:
Beide Vereine sind sich darüber einig, dass
es für die Gedenkstätte Andreasstraße vor allem darauf ankommt, dass hier
eine Haftgedenkstätte entsteht, mit der sich die Menschen, die hier vom
Ministerium für Staatssicherheit zu Unrecht inhaftiert, gefoltert und der
politischen Justiz unterworfen wurden, identifizieren können.
Beiden Verbänden liegt am Herzen, dass in der
Andreasstraße würdiges öffentliches und individuelles Gedenken an die
Opfer der SED-Diktatur möglich wird. Die noch vorhandene originale
ehemalige MfS-Haftetage muss erhalten bleiben. Die begrenzten
Räumlichkeiten in nur zwei Ausstellungsetagen erfordern eine thematische
Konzentration auf die spezifischen Umstände der MfS-Haft, der Verhöre und
der politischen Prozesse einschließlich der Geschichte von Opposition und
Widerstand in Thüringen, bis hin zur Friedlichen Revolution und der
Besetzung der MfS-Bezirksverwaltung. In Bildungsangeboten und
-veranstaltungen unterschiedlicher Formate und in Wechselausstellungen
sollen darüber hinaus weitere Themen der DDR-Geschichte und der
Diktaturaufarbeitung behandelt werden. Politische Haft in der
Andreasstraße vor 1945 (besonders 1933 bis 45) muss erforscht und dann
ebenfalls dargestellt werden. Wissenschaftlichkeit und Professionalität
sind selbstverständliche Maßstäbe.
„Vor allem muss jetzt die Frage der
Trägerschaft für die Gedenkstätte so geregelt werden, dass diese Maximen
eingehalten werden.“ sagt Wolf-Dieter Meyer, der Thüringer
Landesvorsitzende der VOS e.V. „Selbstverständlich unterstützt die VOS die
Gedenkstätte im Beirat mit der Kompetenz ihrer Mitglieder und ihrem
politischen Gewicht. Gern würden wir unsere Geschäftsstelle von der
Erfurter Peripherie in ein Büro bei der Gedenkstätte verlegen.“
Beide Vorsitzende sehen den Freistaat
Thüringen in der Pflicht, durch eine gesicherte institutionelle Förderung
diese Arbeit zu ermöglichen, da sie die Wertschätzung von Demokratie,
Freiheit und Rechtsstaatlichkeit in der Bevölkerung stärkt und damit am
Fundament des demokratischen Thüringen mitbaut.
Zwischen der traditionsreichen, seit 1950
bestehenden Häftlingsvereinigung VOS und dem Freiheit e.V. als
Zusammenschluss der Zeitzeugen dieser besonderen Verfolgungsstätte
bestehen seit langem gute und enge Beziehungen. Sie haben in den letzten
Jahren bereits gemeinsame Gedenkveranstaltungen z.B. zum 17. Juni und zum
13. August gehalten, pflegen Gespräche und Austausch zu gemeinsamen
politischen Zielen. Einige Personen sind in beiden Verbänden Mitglied.
Wolf-Dieter Meyer, VOS e.V.
Joachim Heise, Freiheit e.V. Erfurt, den 13. Januar 2010
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7. Januar 2010:
Pressemitteilung
Soeben hat der Freiheit e.V. dem
Staatssekretär im Thüringer Kultusministerium Prof. Dr. Thomas Deufel
seine Vorstellungen zur Gedenkstätte Andreasstraße übermittelt.
(Siehe Anlage)
„Es ist höchste Zeit, dass das Ministerium
und die gesamte Landesregierung endlich anerkennen, dass die Gedenkstätte
Andreasstraße bereits seit Jahren existiert und arbeitet.“ sagt
Vereinsvorsitzender Joachim Heise. Diese Arbeit müsse mit dem Ausbau und
im neu gestalteten Haus fortgeführt werden.
Dem Staatssekretär wurde mitgeteilt, dass der
Verein vom TMBWK bis Dienstag 14 Uhr eine schriftliche Darstellung der
Vorstellungen des Ministeriums erwartet, um sich hinreichend auf die
Verhandlung am Donnerstag vorbereiten zu können.
Joachim Heise, 7.Januar 2010
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5. Januar 2010:
Heute stattete der Kulturstaatssekretär Prof. Dr.
Thomas Deufel der Stasihaftanstalt Andreasstraße einen Besuch ab. Es gab
zwischen ihm und den Besetzern ein etwa 90minütiges Gespräch in offener
Atmosphäre. Herr Deufel sicherte zu,
-
dass der Freiheit e.V. zukünftig wieder in alle
Planungen einbezogen wird.
-
Innerhalb der nächsten 2 Wochen wird ein
unterschriftsreifer Kooperationsvertrag zwischen dem Kultusministerium und
dem Freiheit e.V. ausgearbeitet.
-
Der nächste Gesprächstermin ist am Donnerstag,
14.01.2010 um 11:00 Uhr.
Daraufhin erklärte der Vereinsvorsitzende, Herr Heise,
dass die Besetzung bis zur Vorlage eines akzeptablen Kooperationsvertrages
fortgesetzt wird. Rainer Schneider hat wegen der begonnenen Verhandlungen
seinen Hungerstreik vorübergehend ausgesetzt. Der Verein wird dem
Kultusministerium kurzfristig und wiederholt seine Vorstellungen eines
Kooperationsvertrages übermitteln.
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24. November 2009:
Presseveröffentlichung
Stiftung Aufarbeitung Thüringen
Den Bock zum Gärtner gemacht
SED-Opfer protestieren gegen Kandidatin der Linken für den Stiftungsrat
Von stz-Korrespondent Georg Grünewald
Erfurt - Die für heute angesetzte Wahl eines Linke-Landtagsabgeordneten in
den Stiftungsrat der "Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur"
sorgt weiter für Unmut. "Wir sind entsetzt", sagte der Vorsitzende des
Vereins "Freiheit e.V.", Joachim Heise. Die Opfer der SED fühlten sich
verhöhnt vom Anspruch der Linken auf den Stiftungsratssitz, klagt er.
In einem offenen Brief an die Linke-Abgeordnete Birgit Klaubert machen die
Opfervereine "Freiheit e.V", "VOS e.V." und die Geschichtswerkstatt Jena
ihrem Unmut Luft. "Wir fordern Sie auf, davon Abstand zu nehmen und den Sitz
freizumachen für eine Partei im Thüringer Landtag, die nicht durch die
Verantwortung für die kommunistische Diktatur in Deutschland belastet ist",
schreiben die Vereinsvorsitzenden.
Sie vermissten eine klare Äußerung zum Charakter der DDR als diktatorischem
Unrechtsstaat. Deshalb sei Klaubert "ungeeignet, im Stiftungsrat die
Aufarbeitung der SED-Diktatur tatsächlich auf der Grundlage des
antitotalitären Grundkonsenses zu befördern."
Dabei stecken sie in einem Konflikt: Die Besetzung des Stiftungsrates ist
längst überfällig. Die Zeit drängt. Die Bauarbeiten in der ehemaligen
Stasihaftanstalt in der Erfurter Andreasstraße sollen Anfang kommenden
Jahres beginnen. Die Planungen laufen, erste fachliche Entscheidungen müssen
gefällt werden, die auch den als "Gedenkstätte Andreasstraße" vorgesehenen
Teil betreffen.
Der Verein "Freiheit e.V." wartet zudem darauf, einen Kooperationsvertrag
mit der Stiftung abzuschließen. Auch das scheiterte bisher an dem nicht
kompletten Stiftungsrat, dem zwar bereits je ein Vertreter des
Kultusministeriums, des Sozialministeriums, der Staatskanzlei und der
Stasibeauftragten angehören, aber eben nicht die vorgesehenen zwei
Landtagsabgeordneten.
Die heutige Wahl hat indessen nicht nur für Unmut, sondern auch für
reichlich Verwirrung gesorgt. Nicht nur, dass Heise seinen Brief
fälschlicherweise an die Landtagsvizepräsidentin Birgit Klaubert gerichtet
hat, statt an Karin Kaschuba, die von der Linken vorgeschlagen wird. Auch
bei FDP und Grünen kam es zu Missverständnissen. Denn bevor deren
Fraktionschefs über die geplante Besetzung der Stiftung klagten und
ankündigten, das Thema von der Tagesordnung streichen zu wollen, sollen ihre
parlamentarischen Geschäftsführer nach stz-Informationen zuvor im
Ältestenrat dafür gestimmt haben, die Wahl auf die Tagesordnung zu nehmen.
Dabei habe die Landesregierung, so ist durchgesickert, die Wahl eigentlich
verschieben wollen. Weil sich CDU-Chef Mike Mohring im Ältestenrat aber
enthalten hatte, konnten Linke, FDP und Grüne die SPD überstimmen und die
Wahl auf die Tagesordnung setzen.
Für Letztere scheint das Thema nun gegessen. Der Stiftungsrat könne heute
gewählt werden, sagte Kultusministeriumssprecher Gerd Schwinger, die
inhaltliche Seite müsse man deswegen aber nicht übers Knie brechen. Die Wahl
heute sei nicht der Abschluss, sondern der Anfang.
Wenn sie denn so kommt. Zwar hieß es gestern, die Grünen bekommen von der
Linken einen Sitz in der Parlamentarischen Kontrollkommission. Aber die FDP
will dabei bleiben und heute den Antrag stellen, die Wahl von der
Tagesordnung zu nehmen, so ihr Fraktionschef Uwe Barth zur stz. Und falls
der Antrag abgelehnt wird, werde seine Fraktion die Linke-Kandidatin nicht
wählen, kündigt Barth an. "Ich ganz bestimmt nicht", betont er.
Der Verein "Freiheit e.V." würde das nur begrüßen. Auch dort hat man den
Irrtum mit Klaubert und Kaschuba bemerkt und bedauert. "Aber der Fakt bleibt
der gleiche", betont Heise. "Da wird der Bock zum Gärtner gemacht."
http://www.stz-online.de/nachrichten/thueringen/seite2thueringenstz/art2478,1024398
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8. November 2009:
Presse-Information
Filmabend in der
Andreasstraße
Die stürmischen
Ereignisse im Herbst/Winter 1989 in authentischen Bildern festzuhalten,
war in den Tagen der Friedlichen Revolution kein ungefährliches
Unterfangen.
Dennoch gibt es
eine Reihe von Filmen, die erzählen, wie Menschen den aufrechten Gang
lernten.
Der Freiheit e.V
und die Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen laden ein zu einem
Filmabend am 11. September 2009 um 19.00 Uhr in die Gedenkstätte
Andreasstraße, Flur 1. Etage des ehemaligen Hafthauses.
Im Mittelpunkt des
Abends steht ein Film der Schriftstellerin Gabriele Stoetzer. Er zeigt die
Gruppe „Frauen für Veränderung“, die am 4. Dezember 1989 maßgeblich an der
Besetzung der MfS-Bezirkszentrale und der Haftanstalt beteiligt waren.
Ein zweiter Film
schildert in einer Zusammenfassung aus Dokumentaraufnahmen des Erfurter
Bistums-Archivs, was sich in Friedensgebeten und bei Demonstrationen in
Erfurt ereignet hat.
Zu diesem
außergewöhnlichen Abend der Erinnerung sind Sie herzlich eingeladen.
Erfurt, den
8.9.2009
Margot
Friedrich H. Neubert
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13. August 2009:
Pressemitteilung 169/2009 der Thüringer Staatskanzlei
Die Thüringer
Staatskanzlei gab am 11.08.2009 eine Pressemitteilung heraus, deren Inhalt
für den Freiheit e.V. von sehr großer Bedeutung ist:
Althaus präsentiert Thüringer
Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
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2. Juli 2009:
PRESSEINFORMATION
Sehr geehrte Damen
und Herren,
hiermit möchten
wir Sie herzlich einladen zur feierlichen Spendenübergabe und zum Vortrag.
Es wäre schön, wenn Sie Ihre Leser- oder Hörerschaft auf diese
Veranstaltung, die Bestandteil des Sommeröffnungsprojektes 2009 ist,
aufmerksam machen.
Die gekaufte Freiheit - Der Freikauf von politischen Häftlingen aus der
DDR
Übergabe des Erlöses aus der Festveranstaltung "20 Jahre Friedliche
Revolution – 20 Jahre Deutsche Einheit" mit "Erfordia - Die
PetersbergSymphonie" am 10. Juni 2009 im Kaisersaal in Erfurt durch die
„Freunde der Citadelle Petersberg zu Erfurt e.V.“
Die Veranstaltung
des Vereins Freiheit e.V. und der Landesbeauftragten für Stasi-Unterlagen
nebst Gästen der Freunde der Citadelle Petersberg zu Erfurt e.V. findet
statt:
am 10. Juli
2009, 19.30 Uhr, im Hof der Stasi-Haft-Anstalt Andreasstraße (Zugang
Bechtheimer Straße)
Im Rahmen der
Sommeröffnungszeit Andreasstraße 2009 liest Hendrik von Quillfeldt aus
seiner an der Philosophischen Fakultät der Universität Erfurt entstandenen
Magisterarbeit. Es geht dabei um den Freikauf von Bürgern der früheren DDR
durch die damalige Bundesrepublik Deutschland. Er beschreibt dieses
"eigenartige Phänomen der deutsch-deutschen Geschichte. Nirgendwo sei
Vergleichbares geschehen und ist Folge der Teilung Deutschlands. Es
kennzeichnet die außergewöhnlichen, eben nicht normalen, damaligen
zweiseitigen Beziehungen."
Zu dieser
Veranstaltung übergeben die "Freunde der Citadelle Petersberg zu Erfurt
e.V." den Erlös aus der eingangs genannten von Land und Stadt
mitgetragenen Festveranstaltung. Dabei führte das Wehrbereichsmusikkorps
III der Bundeswehr, Erfurt, "Erfordia - Die Petersberg-Symphonie" zu
Gunsten der o. g. Gedenk- und Bildungsstätte in der Andreasstraße
kostenlos wieder auf. Diese erzählt musikalisch und mit einführenden
Worten ca. zwei Dutzend Episoden aus der Erfurter Geschichte und lässt sie
ergänzt durch bewegte Bilder auf einer Großleinwand erlebbar werden.
Projekte
Sommerprogramm 2009
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24. Juni 2009:
Pressemitteilung
Sehr geehrte Damen und
Herren,
hiermit möchten wir Sie
herzlich einladen zur Ausstellungseröffnung. Es wäre schön, wenn Sie Ihre
Leser- oder Hörerschaft auf diese Veranstaltung und die Ausstellung, die
Bestandteil des Sommeröffnungsprojektes 2009 ist, aufmerksam machen.
Die Eröffnung findet
statt: 27. Juni 2009, 18.00 Uhr, im Hof der Stasi-Haft Andreasstraße
(Zugang Bechtheimer Straße)
Bei der Eröffnung werden
die Künstler Gernot Ehrsam, Gert Weber, Andreas Brinkel und Harald Lange
persönlich zugegen sein.
AUSKÜNFTE
Thüringer Künstler
in der
Andreasstraße
Kunst-Ausstellung mit
Werken von:
Alfred Traugott
Mörstedt, 1925 - 2005†, Erfurt, Malerei / Graphik
Werner
Schubert-Deister, 1921 - 1991†, Hachelbich-Friedrichroda, Borsum/Harsum,
Malerei / Graphik
Harald Lange,
geb. 1944, Freckleben-Erfurt-Buschmühl, Malerei / Graphik
Gert Weber, geb.
1951, Gräfenhain, Malerei / Graphik
Lutz Hellmuth,
geb. 1943, Erfurt, Bildhauerei
Gernot Ehrsam,
geb. 1967, Kaltennordheim / Erfurt, Skulpturen / Objekte / Holz
Andreas Brinkel,
geb. 1961, Gotha / Remstädt, Installation / Metall
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16. April 2009:
Am 15. April 2009
veröffentlichte Die Welt folgenden Beitrag:
Voller Erfolg: IM kann
bei Namen und Bild genannt werden.
Ex-Stasi-Spitzel muss
Identifizierung hinnehmen.
Link zum Beitrag
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23. Januar 2009:
Kabinett enteignet Opfer,
zerschlägt Gedenkstätte Andreasstraße
Presseerklärung
23.1.2009
Freiheit e.V. und
Landesbeauftragte für die Stasiunterlagen
1. Zeitzeugen
enteignet – Gedenkstätte zerschlagen
Die Landesregierung hat
beschlossen, der Stiftung Ettersberg die Trägerschaft der Gedenkstätte
Andreasstraße zu übertragen. Freiheit e.V. und die Landesbeauftragte
lehnen dies ab.
Damit wird die bisherige
Arbeit der Landesbeauftragten und des Freiheit e.V. missachtet, die
Zeitzeugen werden ihrer Gedenkstätte enteignet, die Bildungsarbeit lahm
gelegt. Weitere Verzögerungen in der Entstehung der Gedenkstätte sind
vorprogrammiert.
Der Vorsitzende des
Freiheit e.V., Joachim Heise, zeigt sich entsetzt: „In allen Verhandlungen
haben wir uns kompromissbereit gezeigt. Nun sollen wir mit einer
untergeordneten Nebenrolle abgespeist werden. Wir sind von der
Landesregierung enttäuscht. Jetzt haben wir die Schlüssel zu unserem
früheren Gefängnis und wir lassen sie uns nicht wieder wegnehmen. Durch
vier Jahre Arbeit haben wir uns Rechte erworben. Wir lassen uns nicht
enteignen.“
Die Landesbeauftragte
zeigt sich überzeugt, dass die Gedenkstätte nur durch die Legitimation der
Zeitzeugen bestehen kann. „Jede zeitgeschichtliche Gedenk- und
Bildungsstätte braucht die Kompetenz und die Akzeptanz der Zeitzeugen.
Diese hat sich die Stiftung Ettersberg nicht erarbeitet.“
2. Florierende
Gedenkstätte seit vier Jahren
Das bisherige Konzept
der Gedenk- und Bildungsstätte Andreasstraße beruht auf der engen
Verknüpfung der Zeitzeugen mit professioneller historischer und
pädagogischer Arbeit. Über 40.000 Besucher, darunter hunderte
Schulklassen, zeigten sich von der Authentizität des Ortes und den
Angeboten von Freiheit e.V. und LStU beeindruckt. Auch für das Jahr 2009
liegen bereits zahlreiche Anfragen vor. Über 180 Zeitzeugen haben der
Landesbeauftragten persönliche Unterlagen und Berichte anvertraut – eine
unentbehrliche Grundlage der Gedenk- und Bildungsarbeit. Eine
Wanderausstellung macht die Gedenkstätte im ganzen Land bekannt und
gewährleistet die Arbeit auch während der Bauphase.
3. Landespolitik
Das Kabinett hat den
Beschluss am 20. Januar gefasst, bis zum Donnerstag ist der Freiheit e.V.
davon nicht unterrichtet worden. Es bleibt unklar, warum das Kabinett der
Stiftung Ettersberg die Trägerschaft andient, die dafür erst ihre
Zweckbestimmung und ihre Strukturen ändern muss Die Stiftung Ettersberg
hat erklärt, sie sei zwar prinzipiell bereit, die Trägerschaft der
Gedenkstätte zu übernehmen, habe dazu aber weder Geld noch Personal. Die
Stiftung Ettersberg leistet entgegen ihrer Aufgabenbestimmung weder eine
eigene wissenschaftliche Arbeit, noch hat sie in der sensiblen Frage der
Opfer bisher Interesse gezeigt oder Fachwissen erworben. Die Stiftung
verfügt über keine Kontakte zu den Thüringer Opfergruppen.
Dagegen wird die
funktionierende Arbeit in der Kooperation zwischen Freiheit e.V. und der
Landesbeauftragten zerschlagen.
Im August 2005 hatte
Ministerpräsident Althaus nach seinem Besuch die Entstehung einer
Gedenkstätte Andreasstraße angekündigt. Seitdem ringt die
Landesbeauftragte stets in enger Verbindung mit den Zeitzeugen, die sich
2007 im Freiheit e.V. organisierten, um die Etablierung einer
institutionalisierten Gedenkstätte. Das Kultusministerium hat wegen
mangelnder Mittel bis zum Frühjahr 2008 keinerlei Zugeständnisse gemacht.
Dann wurde eine Expertenkommission gebildet, der zwar die Stiftung
Ettersberg, nicht aber die bisherigen Gedenkstättenbetreiber Freiheit e.V.
und Landesbeauftragte angehörten. Diese wurden lediglich einmal für
zwanzig Minuten angehört. Demzufolge empfahl die Kommission die
Übertragung an die Stiftung Ettersberg.
Das Kultusministerium
hat seitdem keinen Zweifel daran gelassen, dass es gewillt war, dieser
Empfehlung zu folgen. Den bisherigen Trägern der Gedenkstättenarbeit
wurden Informationen vorenthalten. Vor Gesprächen, zu denen Freiheit e.V.
und Landesbeauftragte stets bereit waren, gab es keinerlei Vorlagen. Das
Ministerium bot dem Freiheit e.V. Nebenrollen in einem Beirat an und
ignorierte die Landesbeauftragte vollständig. Um die Sache Gedenkstätte
nicht zu behindern haben sich beide lange auf ein Stillschweigen gegenüber
der Presse eingelassen, in dem Irrtum, dass auch die Landesregierung an
einer konstruktiven Lösung interessiert sei.
Freiheit e.V. und
Landesbeauftragte fordern die Trägerschaft für die Gedenk- und
Bildungsstätte Andreasstraße für die bisherigen Träger dieser Arbeit.
Erfurt, den 22.01.2009
Hildigung Neubert,
0176 26351757
Thüringer
Landesbeauftragte für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der
ehemaligen DDR
Joachim Heise,
0177 5972723
Freiheit e.V.
Förderverein Gedenkstätte Andreasstraße
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27. November 2009:
Pressemitteilung
4. Dezember im Zeichen
des Gedenkens an Opposition und Widerstand in der DDR
Am 4.12.08
veranstaltet der Freiheit e.V. den „Tag der offenen Tür“ mit
Führungen in der ehemaligen Stasi-U-Haft Erfurt Andreasstraße von 14 bis
16 Uhr. (Eingang Bechtheimer Str. 2) Nach zahlreichen Anfragen besteht
an diesem Tag die Möglichkeit sich auch über eine Mitgliedschaft im
Verein zu informieren.
Um 17 Uhr
werden die Freundinnen und Freunde des Freiheit e.V. der Einladung in
die Lorenzkirche folgen, um den 30. Jahrestag der Friedensgebete in
Erfurt (immerhin der ersten in der DDR) gemeinsam zu feiern.
Gegen 18
Uhr dann wird, wie jedes Jahr, organisiert durch die Gesellschaft für
Zeitgeschichte e.V., der ersten friedlichen Besetzung einer Stasi
Zentrale im Jahr 1989, insbesondere durch mutige Bürgerinnen, in der
Andreasstraße gedacht.
Der
Freiheit e.V. bedankt sich nochmals für das rege Interesse an der
Veranstaltung im Rathaus „Freiheit – gestern, heute, morgen“ vom
22.11.08.
Uwe
Kulisch, Matthias Büchner
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13. Januar 2008:
Pressemitteilung des Vereins "Freiheit e. V." zum 19.01.2008
Der Verein „Freiheit e.V.,
Förderverein Gedenkstätte Andreasstraße“ lädt zum ersten Mal in diesem
Jahr zum Tag der offenen Tür in die ehemalige Erfurter Stasi-U-Haft ein.
Am kommenden Samstag, den
19.01.2008, wird das ehemalige Haftgebäude von 13 bis 17 Uhr für
Besichtigungen zugänglich sein. Vereinsmitglieder und Zeitzeugen werden
für Führungen und Gespräche vor Ort für die Besucher da sein. Der Zugang
ist von der Bechtheimer Straße aus möglich. Der Eintritt ist frei. Um eine
Spende für die zukünftige Gedenkstätte wird gebeten.
Kontakt zum Verein: Joachim
Heise 0177/5972723.
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15. September 2007:
Pressemitteilung der Landesbeauftragten
zu „Einschluss 3“
Mit einer stabilen Besucherbilanz von über 9.000 Besuchern im Sommer 2007
hat die Kunstausstellung in der vorläufigen Gedenkstätte Andreasstraße
Erfurt gestern geendet.
Unter den Besuchern waren über 1.100 Schülerinnen und Schüler von Gymnasien,
Regel- und Berufsschulen, die sich in Führungen und Zeitzeugengesprächen
über den Haftalltag im Staatssicherheitsgefängnis und politische
Strafverfahren in der DDR informierten. In elf Begleitveranstaltungen wurden
Vorträge, Filme und Literatur zu Themen der DDR-Geschichte angeboten. Über
3.000 € an Spenden für die Gedenkstätte zeigten, dass die Besucher von der
Ausstellung berührt waren und sie das Thema unterstützen wollen.
„In diesem Jahr ist uns das Vorläufige und Provisorische der Situation hier
besonders bewusst geworden. Das dauerhaft kühle und unsichere Wetter hat die
Veranstaltungsreihe im Hof behindert und die Arbeitsbedingungen für die
Aufsichtskräfte zu einer Prüfung werden lassen“, sagte die Landesbeauftragte
in ihrer Dankesrede. „Die Politiker müssen begreifen: Die Vergangenheit
nicht aufzuarbeiten kommt uns letztlich sehr viel teurer zu stehen.“ Schon
jetzt bedrängten die gewaltbereiten Extremisten von rechts und links die
demokratischen Parteien, die Polizeieinsätze bei NPD-Demos und den
Gegendemonstrationen kosten Millionen. Die Wiedereingliederungsprogramme für
Neonazis versuchten die mentalen Schäden, die ein falsches Geschichtsbild
und populistische Parolen angerichtet haben, zu heilen. „Dabei kann der
realistische Blick in die jüngste Vergangenheit am einfachsten
verdeutlichen, wohin die einfach verständlichen Versprechen der Populisten
führen.“
„Kulturstaatsminister Bernd Neumann fordert für die Aufarbeitung, sie solle
‚den antitotalitären Grundkonsens und das Bewusstsein für den Wert der
freiheitlichen Demokratie’ stärken. Das politische System der Demokratie
kann Demokraten nicht aus sich selbst hervorbringen. Dazu braucht es eine
Orientierung auf die Allgemeinen Menschrechte, die Würde und Freiheit des
Einzelnen, die Orientierung in der Geschichte, um die Mitglieder unseres
Gemeinwesens zur verantwortlichen Mitwirkung zu ermuntern und zu befähigen.
Die Gedenkstätte in der Andreasstraße kann so ein Orientierungspunkt in der
Geschichte sein. Die Stadt Erfurt und das Land Thüringen können im Zentrum
ihrer Stadt und Hauptstadt dieses Thema nicht unbesetzt lassen“, sagte
Neubert.
Nachdem Investoren für das Gelände
bereit stehen, muss geklärt werden, wie der Betrieb einer Gedenkstätte in
der Andreasstraße finanziert werden soll. Neubert sieht hier die
Landesregierung, die Stadt Erfurt und auch die Landkreise des ehemaligen
Bezirkes Erfurt in der Pflicht.
Neubert erwartet, dass die ordentliche Gedenkstätte im Jahr 2009, 20 Jahre
nach der Friedlichen Revolution, eröffnet werden kann.
In den kommenden Monaten können Schulklassen und andere Gruppen auf Anfrage
Führungen durch das Gefängnis (auch mit Zeitzeugengespräch) über LStU, Tel.
0361 377 1951 oder tlstu@t-online.de bestellen. Der Verein Freiheit e.V.
bietet am 22. und 29. September sowie am 3. Oktober Öffnungszeiten von 13
bis 18 Uhr an.
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