Pressestimme zum Protest des Freiheit e. V.

24.11.2009

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Stiftung Aufarbeitung Thüringen
Den Bock zum Gärtner gemacht


SED-Opfer protestieren gegen Kandidatin der Linken für den Stiftungsrat

Von stz-Korrespondent Georg Grünewald

Erfurt - Die für heute angesetzte Wahl eines Linke-Landtagsabgeordneten in den Stiftungsrat der "Thüringer Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur" sorgt weiter für Unmut. "Wir sind entsetzt", sagte der Vorsitzende des Vereins "Freiheit e.V.", Joachim Heise. Die Opfer der SED fühlten sich verhöhnt vom Anspruch der Linken auf den Stiftungsratssitz, klagt er.

In einem offenen Brief an die Linke-Abgeordnete Birgit Klaubert machen die Opfervereine "Freiheit e.V", "VOS e.V." und die Geschichtswerkstatt Jena ihrem Unmut Luft. "Wir fordern Sie auf, davon Abstand zu nehmen und den Sitz freizumachen für eine Partei im Thüringer Landtag, die nicht durch die Verantwortung für die kommunistische Diktatur in Deutschland belastet ist", schreiben die Vereinsvorsitzenden.

Sie vermissten eine klare Äußerung zum Charakter der DDR als diktatorischem Unrechtsstaat. Deshalb sei Klaubert "ungeeignet, im Stiftungsrat die Aufarbeitung der SED-Diktatur tatsächlich auf der Grundlage des antitotalitären Grundkonsenses zu befördern."

Dabei stecken sie in einem Konflikt: Die Besetzung des Stiftungsrates ist längst überfällig. Die Zeit drängt. Die Bauarbeiten in der ehemaligen Stasihaftanstalt in der Erfurter Andreasstraße sollen Anfang kommenden Jahres beginnen. Die Planungen laufen, erste fachliche Entscheidungen müssen gefällt werden, die auch den als "Gedenkstätte Andreasstraße" vorgesehenen Teil betreffen.

Der Verein "Freiheit e.V." wartet zudem darauf, einen Kooperationsvertrag mit der Stiftung abzuschließen. Auch das scheiterte bisher an dem nicht kompletten Stiftungsrat, dem zwar bereits je ein Vertreter des Kultusministeriums, des Sozialministeriums, der Staatskanzlei und der Stasibeauftragten angehören, aber eben nicht die vorgesehenen zwei Landtagsabgeordneten.

Die heutige Wahl hat indessen nicht nur für Unmut, sondern auch für reichlich Verwirrung gesorgt. Nicht nur, dass Heise seinen Brief fälschlicherweise an die Landtagsvizepräsidentin Birgit Klaubert gerichtet hat, statt an Karin Kaschuba, die von der Linken vorgeschlagen wird. Auch bei FDP und Grünen kam es zu Missverständnissen. Denn bevor deren Fraktionschefs über die geplante Besetzung der Stiftung klagten und ankündigten, das Thema von der Tagesordnung streichen zu wollen, sollen ihre parlamentarischen Geschäftsführer nach stz-Informationen zuvor im Ältestenrat dafür gestimmt haben, die Wahl auf die Tagesordnung zu nehmen.

Dabei habe die Landesregierung, so ist durchgesickert, die Wahl eigentlich verschieben wollen. Weil sich CDU-Chef Mike Mohring im Ältestenrat aber enthalten hatte, konnten Linke, FDP und Grüne die SPD überstimmen und die Wahl auf die Tagesordnung setzen.

Für Letztere scheint das Thema nun gegessen. Der Stiftungsrat könne heute gewählt werden, sagte Kultusministeriumssprecher Gerd Schwinger, die inhaltliche Seite müsse man deswegen aber nicht übers Knie brechen. Die Wahl heute sei nicht der Abschluss, sondern der Anfang.

Wenn sie denn so kommt. Zwar hieß es gestern, die Grünen bekommen von der Linken einen Sitz in der Parlamentarischen Kontrollkommission. Aber die FDP will dabei bleiben und heute den Antrag stellen, die Wahl von der Tagesordnung zu nehmen, so ihr Fraktionschef Uwe Barth zur stz. Und falls der Antrag abgelehnt wird, werde seine Fraktion die Linke-Kandidatin nicht wählen, kündigt Barth an. "Ich ganz bestimmt nicht", betont er.

Der Verein "Freiheit e.V." würde das nur begrüßen. Auch dort hat man den Irrtum mit Klaubert und Kaschuba bemerkt und bedauert. "Aber der Fakt bleibt der gleiche", betont Heise. "Da wird der Bock zum Gärtner gemacht."

http://www.stz-online.de/nachrichten/thueringen/seite2thueringenstz/art2478,1024398


 

 

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